Als erstes stoße ich auf Entwarnung zur Innovationsrangliste. Das deutsche Patentrecht ist eines der strengsten der Welt. Hier wird keine banale Veränderung ein Patent. Die Patentämter nehmen es genau mit der „Schöpfungshöhe“, also der Beurteilung, wie „neu“ eine Erfindung wirklich ist. Ein Grund für das Überholen des „Gerade-eben-noch-Entwicklungslands“ China ist seine Orientierung am laxeren amerikanischen Patentrecht. Dies erlaubt die Anmeldung von Erfindungen die an Universitäten quasi „en passant“ gemacht werden. Das ist in Deutschland unüblich. Deutsche Wissenschaftler sind dem zufolge nicht dümmer oder fauler geworden und Ingenieure asiatischer und südamerikanischer Länder nicht erfinderischer. Letztere haben allerdings verinnerlicht, dass auf Dauer Innovation bloßes Kopieren in wirtschaftlicher Hinsicht sticht.
Die Marktmechanismen, die in Deutschland Innovationen begünstigen sind die gleichen, die seit 200 Jahren funktionieren. Die Marktforschung eruiert, ob ein Produkt seinen Markt findet. Wenn in einem Land eine historische Affinität zu einer Problemstellung und der sie erforschenden Wissenschaften vorhanden ist, ist eine gute Basis vorhanden. Ferner sollte es ein freundliches politisches und gesellschaftliches Klima für das Forschungsgebiet geben und außerdem genügend Personal-, Zeit- und Geldressourcen. So ausstaffiert beginnt der Wissenschaftler auf bereits Vorhandenem aufzusetzen und stößt im Idealfall auf die ersten lohnenswerten Veränderungen. Von der halben Million Beschäftigten in Forschung und Innovation in Deutschland wird laufend analysiert, geforscht, entwickelt, getestet, es werden Studien erstellt. Dabei geben alle Akteure zusammen 80 Milliarden Euro pro Jahr aus. 70% davon bringt die Wirtschaft auf, 30% die öffentliche Hand. An markanten Punkten wird getestet, ob das Produkt bereits die Nachfrage trifft oder ob es Eigenschaften zu verändern und ergänzen gilt. Dann heißt es, das Nachgefragte billiger zu produzieren als der Markt zu hoffen wagte und die Zeit des Patentschutzes zur Markenbildung nutzen.
Das Patent für den Wirkstoff in Aspirin seit mehr als 100 Jahren ausgelaufen, trotzdem verkauft der ehemalige Patentinhaber, die Firma Bayer, auch heute ein Viertel der weltweiten Produktion!
Es gibt für ein und dieselbe Erfindung meist mehrere Anwendungsgebiete. Ein Beispiel ist das „Internet der Dinge“. Jedes Gerät, jeder Gegenstand bekommt eine lebenslange IP-Adresse. Wir werden unsere Rollläden aus dem Urlaub fernsteuern oder verlorenen Schlüssel orten können. Dafür benötigen Dinge, die kontrolliert werden sollen, RFID Chips zu einem marktfähigen Preis. Der liegt um die 5 Cent pro Chip. Heute kostet der Chip noch das Zehnfache. Die Erfahrung zeigt: letztlich reicht eine Anwendung aus, um die Nachfrage in kurzer Zeit in eine Dimension zu katapultieren, die den Preis relativiert.
Der RFID Chip in den Verpackungen unserer Einkäufe wird unser Leben nicht verändern, aber erleichtern. Das Schreiben der immergleichen Einkaufslisten entfällt, denn der Ist-Bestand wird vom Kühlschrank direkt auf das Handy geschickt. So können wir stressfreier den Einkauf genießen, während wir mit hoher Effizienz den Sollbestand ergänzen. Der perfekt entlastete Konsument!
Mal ehrlich: was machen wir mit der so gewonnenen Zeit?
Wir zwitschern den Zeitgewinn auf Twitter oder widmen uns ausgiebig dem zeitraubenden Selbstmarketing in den sozialen Netzwerken. Dort finden wir den nächsten Job. Oder den nächsten Partner. Schließlich kann uns technische Innovation auch beides ganz schnell wieder kosten. Die, die Jobs haben, werden in fast sittenwidrige Flexibilität oder die Unsicherheit lebenslanger Projektarbeit gezwungen. Die, die Partner haben, werden in einen grenzenlosen Wettbewerb mit einer unüberschaubaren Zahl von Gleichgesinnten aber Bessergestellten treten müssen, den nur noch Auswahl-Algorithmen für uns entscheiden können.
Doch RFID kann noch mehr: Herzschrittmacher oder Implantate werden über das Internet wartbar. Der Chip erspart uns mit e-ticketing das Anstehen an langen Konzertkassen, hilft uns mit e-tracking unseren entflogenen Vogel wieder zu finden - oder ermöglicht unserer Liebsten uns zu finden, wenn wir uns irgendwo verlaufen haben.
Wir sollten Erfindungen auf verschiedene Einsatzmöglichkeiten überprüfen, aber wir sollten ebenfalls die Folgen im Blick behalten. Viele Innovationen wären die Menschheit bei verantwortlicher Einschätzung erheblich günstiger gekommen. Sicher hätten sie auch weniger Menschenleben gekostet. Vereinfacht ausgedrückt geht es um Gut und Böse in der Art wie wir an Neues herangehen. Der Mensch hat die Wahl zwischen einem „weiter so“ in der Weise wie Regierung und Wirtschaft hohe Wachstumszahlen und weltmeisterliche Exporte propagieren. Oder wir fördern mit einer ganzheitlichen Sicht Innovationen nach wirklich bestem Wissen und Gewissen zu Tage. Ich glaube, dass wir sehr bald zu einer besseren und gerechteren Welt kommen müssen, sonst übernehmen für einige Zig-Jahrtausende wieder Pantoffeltierchen und Kakerlaken das Ruder.
Dabei sollten deutsche Wissenschaftler und Bildungspolitiker ein paar Fehler der Vergangenheit vermeiden: sie könnten ehrlich versuchen während des gesamten Erfindungsprozesses miteinander zu reden. Es stehen große Aufgaben an, die es gemeinsam zu lösen gilt, also: “Setzt Euch an einen Tisch!“ Manager dürfen weniger auf Rankings schielen, und nicht in blinden Aktionismus verfallen, wenn sie mit ihren Forschungs- und Entwicklungsleuten ein Incentive-Wochenende in den Bergen verbringen. Stattdessen wäre es schön, sich auf die deutsche Art zu besinnen, Problemen auf den Grund zu gehen und sich nicht schnell zufrieden zu geben. Die unbeschreibliche Hypothek durch die Verbreitung von weltweitem Leid und Schrecken, in Kombination mit der langen Tradition von gesellschaftlich und ethisch „korrekten“ Inventionen und Innovationen können auch in Zukunft einen Boden für „gute“ Erfindungen aus Deutschland bilden.
Wenn ich in die Vergangenheit blicke, wird mir eines schnell klar:
»The next big thing« war immer etwas, womit sich Geld verdienen ließ und zwar viel. Ein Motor ist also die Gewinnerwartung – für wen und wann auch immer. Um heutzutage Erfindungen zu machen sind Riesensummen, Geduld und eine üppige personelle Ausstattung nötig. Das ist für kreative Geister ohne einen starken Partner im Hintergrund nicht zu leisten. Unternehmen versuchen Grundlagenforschung möglichst von den Universitäten erbringen zu lassen. Dafür machen sie sich die dürftige finanzielle Ausstattung der meisten Bildungseinrichtungen zu Nutze.
92% der strukturellen Bildungsausgaben fließen in die Bestandserhaltung, in Bau und Sanierung von Gebäuden. Bescheidene 8% stehen für Laborausstattung, Apparaturen, Materialien und alles was sonst noch für die Bildung benötigt wird zur Verfügung. Professoren akquirieren Gelder von der Industrie für ein wenig zielgerichtete Forschung und schaffen so für ihren Lehrstuhl ein Polster, um andere wichtige Themen voran zu treiben. Eine Hand wäscht die andere.
Doch trotz der Forschung im großen Stil gelingt zwischendrin immer etwas verblüffend Neues. Darum ist die wesentlichste Eigenschaft die es zu fördern gilt, die Neugier des einzelnen Individuums und damit jedes potenziellen Erfinders.
Das meiste Wachstum wird in den nächsten Jahrzehnten nur teilweise von den bisherigen Paradebranchen ausgehen. Wo Wachstum ist, folgen Innovationen jedoch nicht automatisch. Überproportional werden die unternehmensnahen Dienstleistungen wachsen. Das ist die Gebäudereinigung genauso wie die Wirtschaftsprüferkanzlei. Beides sind aber keine Branchen mit hohem Innovationspotenzial. Die Automobilindustrie und der Maschinenbau werden ein wenig gegenüber der Pharmaindustrie und der Medizintechnik zurückfallen, denn das Altern der Gesellschaft begünstigt letztgenannte Branchen. Mit in die Rangliste der Wachstumsbranchen schafft es überraschenderweise die Bildung.
In Zukunft wird es immer weniger reproduktive Tätigkeiten geben. Arbeiten, die sich mit dem Zusammenschrauben irgendeines Gegenstands beschäftigen, immer weiter abnehmen. Und das, obwohl der weltweite Wohlstand wächst. Die Notwendigkeit höherer Qualifizierung des Einzelnen liegt also auf der Hand. Das ist nichts Neues. Heute machen 50% mehr junge Erwachsene das Abitur als vor 30 Jahren. Die Hauptschule hingegen scheint nur noch ein bescheidenes Mittel gegen das Analphabetentum zu sein.
In meinen Augen stellt unser Bildungssystem ein Ungleichgewicht her zwischen der Anleitung zur Neugier, der Erschließung individueller Kreativität und der Erfüllung althergebrachter Lernziele. Wir müssen uns endlich davon verabschieden möglichst viel identisches Wissen in relativ langer Zeit in möglichst viele Kinderköpfe zu bringen. Wissen, das zum großen Teil bloße Information und frei verfügbar ist. Wir sollten ernsthaft beginnen, uns die Neugier von Kindern für Herausforderungen von heute nutzbar zu machen. Ein Erwachsener kann in Kreativ-Workshops mühsam erlernen, divergent zu denken, über den eigenen Tellerrand zu blicken und Wissenstransfer in andere Disziplinen zuzulassen. Ein Kind muss das nicht lernen, es kommt neugierig auf die Welt. Ein Kind ist per se kreativ und denkt nicht in Schablonen. Erziehung passt an, macht uns zu sozialverträglichen Wesen aber deckt eine Menge der angeborenen Neugier zu.
Das was der Bildungsbranche Wachstum beschert, ist die Erwachsenenbildung. Die wird erforderlich durch fragmentierte berufliche Lebensläufe, die zukünftig die Regel sein werden. Die durchgängige 40-jährige Arbeitsvita wird selten. Allerdings wird von vielen länger gearbeitet werden. Es geht schon heute darum, auch in Zeiten ohne Arbeit sinnvollen Tätigkeiten nachzugehen und nicht auf irgendeinen überforderten Sachbearbeiter in der Bundesagentur für Arbeit hereinzufallen, der einen mit fadenscheinigen Geschäftsideen in die Ich-AG und damit aus dem sozialen Sicherungssystem zu beraten versucht. Die Geragogik beschäftigt sich speziell mit der altersgerechten Stimulierung der Lernfähigkeit von Silverkids. Viele Wissenschaftler halten bereits in 15 Jahren eine signifikante Verlängerung der Lebenszeit mit proportionaler Verbesserung der Gesundheitsspanne für möglich. Ein Wunschtraum? Es würde jedenfalls erhebliche Auswirkungen auf Gesellschaft, Arbeitswelt und die öffentlichen Kassen haben.
Für solche Entwicklungen, aber auch für ein Teilgebiet der Zeitforschung, die Chronobiologie sind top qualifizierte Spezialisten erforderlich. Stark ineinander greifende Leitmärkte werden die Elektromobilität und die Gestaltung zukunftsfähiger Lebensräume sein. Status Quo ist, dass eine schrumpfende Zahl von Einwohnern die benötigte Nutzfläche kontinuierlich ausweitet und das Gros der Bürger ihren persönlichen Aktionsradius vergrößern. Das ist für unser Zusammenleben auf Dauer tödlich.
Man darf sich nichts vormachen. Es gab immer Industriebereiche und andere Wirtschaftsfelder die in Zeiten großer Umwälzungen gelitten haben. Sie wurden durch Erfindungen in anderen Bereichen solch starken Veränderungen unterworfen, dass auch hoch qualifizierte Leute auf der Straße landeten. Das wird auch in Zukunft unvermeidlich sein und das immer stärker spezialisierte Wissen wird es für Fachkräfte nicht leichter machen, eine vergleichbare Position und Einkommenssituation in einer neuen Zunft zu erreichen.
Doch es gibt weitere Zukunftsfelder. Anette Schavan, die zuständige Bundesministerin sagt: „Sie wolle das Gras wachsen hören.“ Wachstum gibt es zum Beispiel im Bereich der Modellierung und Simulation komplexer Zusammenhänge. Das Fraunhofer Institut hat in einer Studie für das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Bereich „Transdisziplinäre Modelle und Multiskalensimulation“ als eines der vielversprechenden Zukunftsfelder bezeichnet. Bisher wurden in den verschiedenen Fachbereichen historisch gewachsene Methoden zur Simulation eingesetzt, die für das jeweilige Gebiet besonders geeignet erschienen. Das macht es in komplexen Bereichen wie der Klimaforschung nur schwer möglich, zuverlässige Vorhersagen über Veränderungen zu treffen, da die beteiligten Wissenschaftsgebiete auf Basis ihrer eigenen Modelle simulieren. Ziel muss es sein, Systeme zu entwickeln, die auf einer vergleichbaren Abstraktionsebene Veränderungen einzelner Parameter und ihre Auswirkungen auf das Gesamtsystem möglich machen. Dafür werden Rechnerleistungen jenseits von heute bereits möglichen Petaflops benötigt, das sind über 1 Billiarde Rechenoperationen in der Sekunde. Heutige Supercomputer werden dagegen wie Tamagotchis aussehen. Außer der Klimaforschung ist ein weiteres Einsatzgebiet die pharmazeutische und medizinische Forschung, die mit dem „virtuellen Labor“ physische Versuche wie klinische Studien an menschlichem Krankengut oder Tierversuche weitgehend vermeiden könnte. Auch die weltweite Städteplanung für Mega-Cities wird mit ihrer strukturellen Komplexität vermehrten Bedarf an transdisziplinärer wissenschaftlicher Modellierung anmelden. Für diese Zukunftswissenschaften werden Spezialisten aus fast allen Bereichen benötigt.
Weitere Gebiete mit Phantasie, die morgen vielleicht zu den Gewinnern im Innovationswettbewerb zählen, sind beispielsweise die verschiedenen Instrumente der Energiebranche, wenn es ihnen gelingt, koordiniert zu einem zukunftsfähigen, sich ergänzenden Zusammenspiel im großen Energiekonzert zu finden. Beim Thema Energie wird Micro-Energie die direkt aus der Umgebung der Verbrauchseinheit gewonnen wird eine Rolle spielen. Vielfältige technische Anwendungen sind denkbar, die bisher mit Akkus oder Batterien betrieben werden, wenn sie die notwendige Energie am Ort ihres Wirkens bekommen können und das möglicht wartungsfrei. Sensoren werden möglich, die an Brücken oder Fahrzeugachsen Korrosion messen könnten. Wartungsfreie Schrittmacher, die keine OP nötig machen - nur um die Akkus zu wechseln – sind ein weiteres Anwendungsgebiet.
Die fortschreitende Mensch-Maschine Kooperation wird genauso Wachstum bewirken wie die Erforschung und Heilung ihrer Folgen. Immer mehr Geräte umgeben uns immer näher. Diese Hard- und Software weiß mehr von uns als wir selbst, aber sie nimmt wenig Rücksicht. Das Internet ist das derzeit folgenschwerste Medium mit persönlichem Zugang. Da gibt es Bedarf für Geisteswissenschaftler, IT-ler und Psychologen. „Don’t be evil!“ ist einer der Leitsätze der google Gründer. Sicher empfinden 95% der Deutschen – so viele nutzen google - das Meiste, das google macht, nicht als Böse, sondern als nützlich. Den Nutzen erkaufen wir uns zum Preis weitgehender Transparenz unserer Wünsche und Bedürfnisse. Bereits heute schlägt uns die Suchmaschine Produkte oder Dienstleistungen vor, von denen wir selbst nicht wussten, wie sehr wir sie brauchen. Die Zukunft wird aus personalisiertem Coaching bestehen, das für uns kein Spam ist, weil es nur noch am Rande mit Produktvorschlägen zu tun hat. Trotzdem wird der Datenschutz eine wesentlich größere Zahl gut ausgebildeter Mitarbeiter in Unternehmen und Verbraucherorganisationen benötigen als heute.
Es kann nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte in Zukunftstechnologien in Deutschland geben. Es gibt andere Bereiche, die einer wachsenden Zahl an gut ausgebildeten Arbeitskräften bedürfen. Die alternde Gesellschaft stellt uns vor neue Herausforderungen in der Betreuung und Pflege. Zerfallende Familienstrukturen und die Individualisierung der Best Ager eröffnen neue Potenziale. Das erfordert sich verändernde Arbeitstrukturen, qualifizierte Einrichtungen, Dienstleister und Betreuer und mit fortschreitendem Alter Pfleger und Schwestern, die auch Bezugspersonen sind und die sich bis ans Ende um den Menschen kümmern.
Ökologischer Fußabdruck, CO2 Neutralität, Bio und Nachhaltigkeit sind mitten in der Gesellschaft angekommen. Wir wissen, dass wir weniger verbrauchen dürfen, um weltweit mehr Menschen mit wachsenden Ansprüchen so zufrieden zu stellen, dass die Welt friedlicher wird. Die Produktion eines Kilos Rindfleisch verbraucht 15.000 Liter Trinkwasser. Das ist ausreichend für die Dusche des Viehtreibers für ein ganzes Jahr. 25% der Erdoberfläche werden für die Tierhaltung benötigt, weitere 10% der Landmasse für deren Futter. Die Tierschutzorganisation „peta“ zahlt demjenigen eine Million Dollar, der es schafft in den nächsten drei Jahren sogenanntes „In Vitro Fleisch“ zu deutlich unter 60.000€ für 100 Gramm herzustellen. Soviel kostet es derzeit noch. Künstliches Fleisch könnte vielen von uns über unsere Sucht hinweghelfen. Ob eine solche Erfindung auch vom Verbraucher angenommen wird und somit Marktbreite erlangt, wird sich weisen. Fest steht, dass der Umbau der bestehenden Stoffumsatz-Muster hin zu mehr Ressourcenschonung und Effizienz mit Arbeit verbunden ist.
Es gibt auch Beispiele für „gute“ Innovationen, die ohne Erfindungen in den genannten Bereichen auskommen. Mikrofinanzierungsprojekte zum Beispiel. Das geht so: eine afrikanische Bäuerin erhält einen Kredit von einem Geldgeber. Ihr Mann kriegt keinen Kredit, weil er ihn versaufen oder anderweitig rasch durchbringen würde. Der Geldgeber verzichtet auf Zinsen und kriegt sein Geld dafür mit 98% Wahrscheinlichkeit komplett zurück. Das wäre für eine westliche Bank eine Traum-Rückzahlungsquote. Das Prinzip ist Gerechtigkeit. Der Kreditnehmer fühlt sich gerecht behandelt und versucht seine Schulden zu begleichen. Wenn das Unternehmen praktizieren, wird schnell klar, dass die Firma ein Image »transportieren« möchte. Anders kann sie ihren Aktionären Gutherzigkeit nicht verkaufen. »Wir helfen, das ist verantwortungsvoll und modern. Wenn die Leute unsere Firma cool finden, werden sie auch unsere Produkte kaufen.«
Was aber hat das Kapital von Imagepflege, die Aktionären meist nur kurzfristig wichtiger als ihre Dividende ist? Was kann einen Anreiz bilden, auf die übliche Verzinsung zu verzichten?
Bill Gates und Warren Buffet machen es uns vor. Sie sind beide mehrfache Milliardäre und waren aus verschiedenen Gründen viel gehasste Personen, weil man gewisse negative Aspekte mit ihnen verband. Heute betreiben sie gemeinsam mit Mrs. Gates eine milliardenschwere Stiftung. Sie impfen beeindruckend große Gebiete in afrikanischen Ländern gegen Krankheiten durch, sorgen für Bildung, Essen und Kleidung. Aber das Ganze wirkt auch auf die Helfer. Gates möchte seine Kinder davor bewahren, gemobbed zu werden oder wie die talentfreien Sprösslinge anderer Superreicher, durch Abstürze, Drogen und Gewaltexzesse gerngesehenes Futter der Presse zu werden. Darum hat er seine Kinder enterbt und steckt sein Vermögen in die Stiftung. Ihm scheint es sehr ernst damit zu sein, die Welt besser zu machen.
Auch so etwas ist in meinen Augen eine Innovation, für die es zwar kein Patent gibt, aber vielleicht einen Platz in Wikipedia. Nachahmung ausdrücklich empfohlen!