Jonathan Franzen: Freiheit
Schon nach den ersten 30 Seiten ganz mein Ding! Mit diesen Charakteren hat man das Gefühl schon jahrelang bekannt zu sein. Gewohnt gekonntes Spiegelbild der Gesellschaft nicht nur in den USA. Bin gespannt, ob's so weitergeht... (****)
Max Frisch: Fragebogen (suhrkamp taschenbuch)
Nach "Infinite Jest" mal wieder was, was schnell zu lesen und trotzdem tiefsinnig ist. Diese Fragen zu den Basics des Lebens sollte man sich nicht nur auf dem Klo stellen, obwohl das Buchformat dazu einlädt. "Fragebogen" ist auch gut für die Charakterisierung von Figuren zu gebrauchen. Wenn man einem Protagonisten einige dieser Fragen stellt, lernt man ihn schnell besser kennen :-) (****)
David Foster Wallace: Unendlicher Spaß: Infinite Jest Roman
Nicht jedes Buch macht Spaß! "Unendlicher Spaß" ist für mich definitiv schwer zugängliche Kost. Nach einem furiosen Anfang, während dessen man von DFW in seine fast schon schmerzhafte, synästhetische Empfindungswelt eingeführt wird, kommen seitenweise Ortsbeschreibungen und Charaketrisierungen, die langweilen und denen man vielleicht übermäßigen Drogenkonsum und fortschreitende Depressionen anmerkt, aber nicht per se einen großen Autor. Natürlich ist mir bewusst, dass man sich mit solche einer Meinung über ein derart gehyptes Buch leicht ins literarische Abseits begibt, aber es ist wie es ist. Total nervig empfinde ich auch den leicht unterschätzten über 400 Seiten starken Fußnotenteil, im hinteren Viertel des Buches. Die Filmographie von Incadenzas Vater beispielsweise.... Ich bin mir nicht klar, ob hier tatsächlich nur Randnotizen versteckt sind oder etwa die tatsächliche Essenz des Buches hier auf der Lauer liegt. Höre bei ca. 150 Seiten der eigentlichen Story und ca. 50 Fußnotenseiten auf und halte es erst mal wie mit Rotwein, der teuer war, dessen erste Flasche man total überschätzt hat und von dem man nun blöderweise noch eine Kiste gelagert hat. Man wünscht sich einfach nur, dass man in ein paar Jahren mehr mit ihm anfangen kann, doch dieser Wunsch basiert nicht auf rationaler Überlegung. (**)
Sandra Uschtrin: Handbuch für Autorinnen und Autoren: Informationen und Adressen aus dem deutschen Literaturbetrieb und der Medienbranche
Bei einer Führung durch Ihren Verlag im Juni 2010 signierte Sandra Uschtrin einigen "schreibundweise"-Kollegen und mir ein persönliches (und kostenloses) Exemplar des neuen und komplett überarbeiteten "Handbuchs für Autorinnen und Autoren" (Preis derzeit nach Ablauf der Subskriptionsphase 49,90 €). Das Standard-Nachschlagewerk für AutorInnen feiert mit dieser Auflage seinen 25-ten Geburtstag. Es wird erstmals auch bezüglich der Ausstattung dem gewohnt hochwertigen, weil akribisch recherchierten Inhalt gerecht. Sandras Einsatz für dieses alle 4 Jahre erscheinende Werk ist beispielhaft und sie erbringt ihn zusätzlich zur regelmäßigen erscheinenden "Federwelt" in einer 1-Jahresklausur.
Das Handbuch lässt sich wie gewohnt nicht über Handwerkszeug und Schreibpraktiken aus - die sollten sich Autoren anderswo aneignen - bei manchem hilft sicher auch der Musen-Kuss ;-)
Herzstück des neuen "Handbuchs für Autorinnen und Autoren" sind 15 Beispiel-Exposés (historischer Roman, Erotikroman, Heftroman, Fantasy, Krimi, Jugendbuch, Kinderbuch, zeitgenöss. Roman, Memoir/Reisebericht, Sachbuch, Ratgeber) mit Kommentaren der betreffenden Agenturen, LektorInnen und AutorInnen, darunter auch das Roman-Exposé von Jasmin Ramadan zu Fatih Akins Film "Soul Kitchen".
Außerdem: Jede Menge eigens für das Handbuch akquirierte Beiträge und Interviews von und mit Brancheninsidern.
Sowie: Verlagsadressen, sortiert nach den Sparten Krimi, Kinder- und Jugendliteratur, historischer Roman, Lyrik, Erotik, Science Fiction/Horror/Fantasy/Mysterie, Publikumsverlage, Independents, Ratgeberverlage, Theaterverlage.
Dazu: Muster eines Agenturvertrags, natürlich der Normvertrag, alles zum Thema Heftroman, Adressen und Profile der Literaturzeitschriften und Literaturagenturen, was man als GhostwriterIn verdient und noch viel mehr auf insgesamt 704 Seiten.
Für die hochwertige Ausstattung zeichnet übrigens die Münchner Agentur Kochan & Partner verantwortlich. Jetzt fehlt nur noch ein g'scheiter Internetauftritt, Sandra ;-)
William Lidwell, u. a. : Design. Die 100 Prinzipien für erfolgreiche Gestaltung
Oft werden Gestalter gefragt: "Welche Methoden, Prinzipien oder Prozesse wendet man als Designer eigentlich an?" Oft habe ich dann schon die blumigsten Begründungen gehört, warum der Gestaltungsprozess so schwer beschreibbar wäre, dass es dabei halt um Kreativität gehe und man die verbal nur schwer zu fassen kriege, oder dass man sich immer peinlich genau an den "Workflow" der Agentur halte, der im Übrigen in der .ppt-Firmenpräsentation und auf der Website beschrieben sei. Alles gelogen! Diese Autoren haben viele Designprinzipien aus dem emotionalen Nebel befreit und treffend beschrieben - auch für Nicht-Designer! (*****)
Herbert Steffny: Das große Laufbuch. Vom richtigen Einstieg bis zum Marathon
Von Joschka Fischers Trainer geschrieben. Man merkt dem Buch die üppige Wettkampferfahrung des Autors über unterschiedliche Distanzen an. Viele verschiedene Trainingspläne für unterschiedliche Zielzeiten im Wettkampf, guter "Motivations" Part und sehr praxisnah berichtet. (*****)
David Swenson: Ashtanga Yoga: The Practice Manual
Einfach das beste Buch über Ashtanga Yoga! Die Asanas werden absolut perfekt dargestellt - David Swenson ist halt ein begnadeter "Poser" vor dem Herrn. Gute Alternativen werden dargestellt, falls man noch nicht so tief in die Haltungen reinkommt. (*****)